Für eine tätige Kirche

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Jahresabschluss gibt Auskunft über die Herkunft und Verwendung von finanziellen Mitteln in der Vergangenheit. So nimmt auch der vorliegende Finanzbericht für das Jahr 2019 einen Rückblick vor. Er legt detailliert Erträge und Aufwendungen offen, und er erklärt, wie die verfügbaren Finanzmittel für die kirchliche Arbeit in verschiedenen Bereichen von Seelsorge, Bildung und Caritas eingesetzt werden. Ein Rückblick hat aber nur dann Sinn, wenn er eine Verbindung zur Gegenwart herstellt und einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leistet. Denn auch für die Zukunft hat sich die Kirche im Bistum Aachen viel vorgenommen.

Vor drei Jahren hat Bischof Dr. Helmut Dieser den synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“ angestoßen. Bis Ende 2021 wollen wir uns darüber verständigen, wie sich die Kirche verändern muss, um den Menschen in ihren jeweiligen Lebenswelten in der heutigen Gesellschaft gerecht zu werden. Seit dem vergangenen Jahr haben wir die gesellschaftliche und kirchliche Wirklichkeit eingehend analysiert und damit die erste Phase dieses Prozesses abgeschlossen. Jetzt tritt der Prozess in die zweite Phase. Unter dem Leitsatz „Wir wollen uns verändern“ werden wir den Wandel konkret in Angriff nehmen. Es geht darum, Prioritäten neu zu setzen und Strategien zu entwickeln. Dazu gehört auch zu erkennen, wovon wir Abschied nehmen müssen.

Zwischen den Rückblick auf das vergangene Jahr und unseren Veränderungsprozess „Heute bei dir“ hat sich ein Ereignis geschoben, das unsere Gesellschaft – und die Kirche – mit voller Wucht getroffen hat. Für den Umgang mit Corona fehlte uns jedes Muster. Das Virus und die Maßnahmen zu seiner Eindämmung erfassen alle Lebensbereiche: Zur Sorge um die Gesundheit tritt die Sorge um die materielle Existenz. Hinzu kommen seelische Verstörungen, die mitunter persönliche Krisen verstärken. Für die Kirche im Bistum Aachen war und ist die Krise eine große Herausforderung. Vor allem ist sie eine Aufforderung zum Handeln. Das betrifft alle Bereiche, in denen die Kirche tätig ist.

Einen Einblick in kirchliches Handeln angesichts der Pandemie vermittelt der Finanzbericht auf den folgenden Seiten. Die ausgewählten Beispiele aus Kirchengemeinden und Einrichtungen der Seelsorge und des sozialen Wirkens stehen stellvertretend für viele weitere. Sie zeigen, dass sich Kirche an vielen Orten ereignet. Und sie zeigen, dass es viele Formen gibt, in denen Gemeinde stattfindet. Die Corona-Pandemie führt uns deutlich vor Augen, dass die Kirche insbesondere in ihrem diakonischen Wirken gefragt ist. Damit bestätigt sich eine zentrale Erkenntnis unseres synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozesses, die wir im Zukunftsbild der Kirche im Bistum Aachen festgehalten haben: Die Verkündigung des Evangeliums besteht in der heutigen Gesellschaft vor allem in der tätigen Zuwendung zu den Menschen. Als „Diakonia“ bildet das soziale Engagement aus dem christlichen Glauben einen Grundvollzug von Kirche. Ihre Bedeutung für das Wirken in der Welt erläutert Harald Hüller in einem eigenen Kapitel dieses Finanzberichts.

Die Kirche, das sind die aus ihrem Glauben tätigen Menschen. Während der Lockdown Phase im Frühjahr 2020 haben sich viele Menschen für jene eingesetzt, die der Zuwendung, Hilfe und Begleitung besonders bedurften. Sie haben zugehört, gehandelt, waren da. Den vielen ehrenamtlich Engagierten in den Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen gilt ebenso wie den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mein herzlicher Dank.

Wo das Engagement der Gläubigen für die Menschen in der Gesellschaft zur Wirkung kommt, ist die Kirche lebendig. Damit Handeln Bestand hat, braucht es ein Netz, das trägt, und Ressourcen, aus denen man schöpfen kann. Durch eine umsichtige Finanzplanung verfügt die Kirche im Bistum Aachen dafür über ein solides Fundament. Die robuste wirtschaftliche Verfassung stellt sicher, dass wir auch in der Krise handlungsfähig bleiben und unseren Weg der Veränderung weitergehen können. Diese Verlässlichkeit wird es auch in Zukunft möglich machen, nahe bei den Menschen zu sein.

Ihr

Dr. Andreas Frick

Generalvikar

Unter dem Leitsatz "Wir wollen uns verändern“ werden wir den Wandel konkret in Angriff nehmen.

Dr. Andreas Frick, Generalvikar

Die Kirche ist insbesondere in ihrem diakonischen Wirken gefragt.